Kalenderblatt Januar


Der Eismonat: Zeit des Ausharrens

Alle Zeichen stehen auf Neubeginn. Nach dem klassischen Kalender wird das neue Jahr in die kalte, klare Silvesternacht hineingeboren. So viele Hoffnungen mit dem Januar einhergehen, so frustrierend kann er auch sein, wenn man das, was man sich gedanklich ausmalt, zu realisieren beginnt – in der Theorie ist alles einfacher… Es ist der Zeitpunkt, an dem Pläne geschmiedet werden, man noch ein wenig euphorisch daran glaubt, alles könne sich ändern und man sich schöne Ziele ausmalt.

Der Januskopf unseres Monatspatrons blickt zurück auf das, was war und auf das, was da kommen mag. Doch den Fokus auf die Gegenwart, die verliert er vielleicht aus den Augen. Orientierungslosigkeit, Unsicherheit, Hoffnungslosigkeit, Depression – diese Themen sind für mich mit dem Januar verknüpft.

Der Januar ist ein Monat der Extreme. Er zerrt an einem, körperlich und seelisch, er schenkt einem nichts. Man muss die Zähne zusammenbeißen und die Zeit der Dunkelheit und der Eiseskälte durchstehen.

Obwohl ich ein ausgesprochener Schlechtwetterfreund bin, stellt mich der Januar jedes Jahr wieder auf die Probe – meines Erachtens hat man in keinem anderen Monat so sehr mit sich selbst zu kämpfen, ist so sehr mit den eigenen Schwächen und Unzulänglichkeiten konfrontiert wie in diesem unwirtlichen Zeitraum, der einen oft an Gebäudeinnenräume fesselt und ein wenig Isolation aufzwingt.

Man muss die Schönheit in dieser Zeit suchen – und sich dafür auch noch gut rüsten, denn die Kälte ist ein anstrengender und fordernder Begleiter auf Streifzügen in der Natur. Doch dann offenbart sie sich einem, wenn man genau hinsieht: eine strenge, fremdartige Schönheit, kühl und distanziert, nicht von dieser Welt.

Für mich kommt im Januar sehr stark die saturnische Strenge durch. Doch wer den Monat überstanden hat, der fühlt sich mit dem Beginn des Februars und dem Mehr an Licht vielleicht plötzlich wie von einer Last erleichtert und seltsam befreit vom strengen Regiment des Januars – und ist nach dieser Zeit des Ausharrens gewappnet für die Herausforderungen der folgenden Monate…

Anmara
Geschrieben von Anmara
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3 comments on Kalenderblatt Januar

  1. Genau deswegen lege ich mir besondere Wochenendausflüge , oder beispielsweise Treffen mit Menschen die ich lange nicht mehr gesehen habe, die ein oder andere Feier oder gemütliche Spieleabende in die ersten Wochen des Jahres, so wirkt der Januar leichter, gerade weil die Feierlichkeiten vom Vorjahr pünktlich zu Neujahr so abrupt enden.
    Und alles andere was dein Text beinhaltet, kann ich total nachvollziehen.
    Sehr schön geschrieben.

    1. Hallo Sarika,
      vielen Dank für deinen netten Kommentar und deine Gedanken zum Januar! 🙂
      Deine Art der Monatsorganisation gefällt mir sehr gut, so lässt sich dieser unwirtliche Monat bestimmt gut und gesellig überstehen.

      Alles Liebe,
      Anmara

  2. Danke, dass du uns durch deinen Bericht an deinen Gefühlen teilhaben lässt. Deine Ansicht ist für mich ebenfalls nachvollziehbar. Den Januar nutze ich meist unbewusst zur inneren Einkehr. Reflektion. Stille. Nächte vor dem Ofen, mit einer Tasse Tee und mit einem guten Buch in der Hand, versüßen mir die Zeit. Durch die Spaziergänge mit unserer Hündin kann man die Schönheit dieser Jahreszeit gut suchen und finden.

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