Erfahrungsbericht Waldführung

Es ist nicht immer einfach, für seine Lieben ein passendes Geschenk zu finden. Für Natur-Liebhaber aus Süddeutschland habe ich einen Tipp: Eine Natur-Führung mit Waldtherapeutin Silke Stößer. Silke ist unter anderem Pflanzenheilkundlerin und Waldtherapeutin und nahm uns mit in den Wald bei ihrer Heimatstadt Rottenburg.

Diese Führung mit unserer ganzen Familie hatten wir meinen Eltern zu Weihnachten geschenkt. Meine Mutter war ganz in ihrem Element und wollte zu fast jeder Pflanze am Wegrand etwas wissen. Silke kannte nicht nur alle Pflanzennamen, sondern wusste auch viele interessante Hintergrundinformationen, wie zum Beispiel den Ursprung des Namens, die heilkundliche Verwendung der Pflanze, oder welche Ansprüche sie an ihren Standort hat. Wir lernten also eine ganze Menge in den rund zweieinhalb Stunden mit Silke.

Zum Beispiel, dass der Wirkstoff von Aspirin in der Weidenrinde enthalten ist und dass Kastanienlaub Insekten abhält. Insekten meiden diese Bäume, da sie den Geruch der Gerbstoffe in den Blättern und Nüssen nicht mögen. Wir stellten uns unter eine große, alte Kastanie und bemerkten, dass es darunter tatsächlich ganz ruhig war, kein brummendes Insekt war in Sicht.

Der Wald, in dem wir uns befanden, wirkte zauberhaft, da wir durch eine schmale Schlucht in einem ehemaligen, renaturierten Steinbruch liefen. Diese führte uns zu einem idyllischen See, der passenderweise Märchensee hieß. Dort sahen wir Libellen, eine Hornisse und sogar eine schwimmende Ringelnatter.

Am Ufer wuchs viel Zinnkraut. Wir erfuhren, dass es so heißt, weil die Menschen früher damit ihre Zinn-Gefäße ausgerieben haben, es diente sozusagen als Topfkratzer.

Auf einer Wiese am Waldrand regte Silke uns dazu an, genau hinzuschauen, um den Unterschied zwischen der Schafgarbe und der wilden Möhre festzustellen, die für Laien sehr ähnlich aussehen. Nun wissen wir, dass die wilde Möhre ein Doldenblütler ist, das heißt, dass ihre zahlreichen, winzigen weißen Blüten wie ein Bündel aus einem Stiel herauswachsen, während die Schafgarbe ein Korbblütler ist, bzw. ihre Blüten in mehrere „Bündel“ mit je einem eigenen Stil unterteilt sind. Außerdem hat die wilde Möhre inmitten der weißen Blüten eine winzige dunkle Blüte. Um sie zu sehen, muss man sehr genau hinschauen. Diese Blüte in der Mitte weist auf die zentrierende Wirkung der wilden Möhre hin. Laut Silke wird die heilkundliche Wirkung einer Pflanze meistens an einem äußerlichen Aspekt sichtbar.

Zerdrückt man die Blätter des Wegerichs, kann man den austretenden Saft zur Linderung von kleinen Wunden, Sonnenbrand und Insektenstichen nutzen. Die Samen des Wegerichs sind übrigens das heimische Äquivalent zu den bekannten indischen Flohsamen. Man kann dieses Superfood jetzt im Spätsommer sehr gut auf Wiesen in der Umgebung pflücken, anstatt die importierte Ware zu kaufen.

An einer Stelle standen drei Erlen, die Opfer des Erlentriebsterbens waren und boten einen traurigen Anblick. Durch einen Pilz im Inneren des Baumes faulen die Wurzeln und die Äste treiben keine Blätter mehr.

Wir erfuhren, dass Malvenblätter, wenn man sie in Wasser legt, dieses Tintenblau verfärben und daher früher zum Färben von Textilien verwendet worden waren.

Silke erklärte uns, dass die bei vielen Menschen unbeliebten Brennnesseln nur in Böden mit hohem Stickstoffgehalt wachsen und somit einen Hinweis auf einen nährstoffreichen, hochqualitativen Boden geben. Außerdem sind sie keineswegs nur nutzlose Schädlinge. Man kann die Samen essen, die nussig schmecken und keine Brennhaare enthalten, zum Beispiel in Müsli oder auf Salat. Aus den Blättern kann man einen Tee kochen, der die Niere und die Harnwege unterstützt, oder man kann sie rösten/grillen/backen, dann geht der Brenn-Effekt verloren und sie schmecken wie knusprige Chips.

Wir betrachteten verschiedene Nadelbäume. Fichtenzweige wachsen nach oben, Tannenzweige nach unten. Bei Kiefern schält sich die Rinde ab, sodass man unter diesen Bäumen auf dem Waldboden viele kleine, Pergament-artige Rinden- Schuppen findet.

Der Nachmittag verging wie im Flug und wir konnten eine Menge mitnehmen.

Ich kann Silkes Führungen absolut empfehlen. Sie bietet nicht nur Waldführungen, sondern auch andere Naturführungen an, wie zum Beispiel Kräuter-Wanderungen. Sie vermittelt ihr großes Wissen auf unterhaltsame, einprägsame Weise. Dabei bezieht sie die Teilnehmer mit ein und richtet sich spontan nach deren Interessen. Man kann, wenn man möchte, im Voraus bestimmen, welchen Schwerpunkt man sich für die Führung wünscht, zum Beispiel, wenn spezielles Interesse am Thema Tiere des Waldes, Pilze etc. besteht. Eine Führung dauert zweieinhalb bis drei Stunden und kostete 100 Euro, unabhängig von der Größe der Gruppe. Man kann die Führung bei Silke in Rottenburg machen, sie fährt aber auf Wunsch auch anderswo hin, wenn es nicht zu weit weg ist. (In diesem Fall kann der Preis teurer werden wegen den Fahrkosten.) Bei Interesse könnt ihr euch auf Silkes Homepage weiter informieren: https://www.waldheilkunde.de/
Ruft oder schreibt sie einfach an und fragt nach einer Führung.

Viel Spaß dabei! Eure Lyra

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