Kalenderblatt Oktober/Samhain

Der Weinmonat: Zeit der Vergänglichkeit

Die Tage werden kürzer, die Nächte kälter. Herbststürme ziehen über das Land, der Westwind bringt Regen. Unter feuchtem Laub sprießen dutzendfach groteske kleine Pilzgruppen. Es riecht nach vermoderndem Holz, verrottenden Blättern und gärendem Fallobst.

Vielerorts werden nun die Gedanken schwerer, die Stimmung betrübter. Die Menschen verstecken sich in hochgezogenen Krägen, Schals und höhlenartigen Kapuzen, bewaffnen sich mit Regenschirmen. Doch der Zeitpunkt des Niedergangs ist unabwendbar. 
Der Oktober ist das Bindeglied zwischen dem letzten bisschen Leben und dem Stillstand. 
Im Oktober stirbt die Natur. 

Doch zuerst: Ein letztes Aufbäumen in Gold und Gelb, in Rot und Braun, ein letzter glücklicher Seufzer. Goldener Oktober mit seinem herrlich bunten Laub, das zentimeterhoch liegt und in der gelben, schräg stehenden Sonne und dem blaugrauen Himmel für unwirkliche Momente sorgt, wenn man raschelnd hindurchschreitet und seinen würzigen Duft einatmet.
Ich kann die Bäume riechen und spüre oft, ob ich durch Pappel- oder Eichenlaub, durch Kastanien- oder Ahornlaub hindurchraschle. Zu schade, dass uns diese Freude nur wenige Wochen im Jahr gewährt ist.

Der Oktober ist einer meiner Lieblingsmonate. Er ist verschwenderisch in der Optik und tief und ernst in seiner Bedeutung. Ein Monat des Übergangs, der einen zwingt, wieder Gedanken an das Thema Werden und Vergehen zu verschwenden und sich seiner eigenen Vergänglichkeit bewusst zu werden. 

Jahreskreisfest Samhain

Am 31. Oktober feiern wir Samhain, das keltische Toten- und Neujahrsfest. Was seit einigen Jahren auch hierzulande als Halloween populär geworden ist, hat tiefgehende Wurzeln. An diesem besonderen Tag sind die Grenzen zwischen unserer Welt und dem Jenseits besonders dünn, so dass wir uns den von uns Gegangenen näher als sonst fühlen. Im keltischen Jahreskreis geht das alte Jahr zu Ende und das neue Jahr beginnt – hier schließt sich der Kreis aus Werden und Vergehen. Samhain ist das Hochfest bei vielen Vertretern der hexisch-heidnischen Szene.

Samhain-Altar

Anregungen für Samhain:

  • Euer Altar kann jetzt in Schwarz- und Erdtönen, mit dürren Ästen und Herbstlaub dekoriert werden. Wenn ihr möchtet, dann könnt ihr auch Gegenstände aus dem Halloweenbedarf nehmen, die Tod und Vergänglichkeit symbolisieren: kleine Grabsteine, Plastikskelette, Totenschädel.
  • Schnitzt euch eine Kürbislaterne oder einen Rübengeist.
  • Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um sich seiner lieben Ahnen zu erinnern. Richtet ihnen einen kleinen Platz in eurer Wohnung ein, wo ihr Fotos und Kerzen aufstellt und euch ganz bewusst Zeit nehmt, euch an die schönen Zeiten mit ihnen zu erinnern.
  • Wenn es auf den Abend zugeht, könnt ihr ein Grablicht nach draußen stellen, um den herumirrenden Seelen den Weg zu leuchten. Auch eine kleine Opfergabe in Form von etwas Ess- und Trinkbarem ist gerne gesehen. Vielleicht etwas von den Lieblingsspeisen derjenigen, die von euch gegangen sind?
  • Besinnt euch darauf, wo eure Wurzeln sind und inwiefern ihr euch mit ihnen identifizieren könnt. Nicht jede Familiengeschichte ist eine glückliche. Wir müssen unsere Ahnen nicht glorifizieren, aber wir können sie anerkennen und uns aktiv darauf konzentrieren, welche Anteile wir für uns übernehmen und weitergeben möchten.
  • Welche Bereiche in deinem Leben möchtest du zu Ende bringen oder gänzlich verabschieden? Jetzt ist ein guter Zeitpunkt für ein Abschiedsritual, z. B. indem du etwas symbolisch beerdigst und so wieder dem Kreislauf der Natur zufügst.

Wie stehst du zum Thema Vergänglichkeit?

Quellen und weiterführende Links:
https://www.kinderspiele-welt.de/herbst/ruebengeister.html (10.01.19, 20:27)

Anmara
Geschrieben von Anmara
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