Aus dem Besenschrank kommen – Outing als Hexe: Tugomir

Ich bin eine Hexe….. Punkt. Aus. Basta.

Schon irgendwie komisch als männliches, weißes, der Mittelschicht angehörendes, gebildetes Wesen einer Minderheit anzugehören.
Hexen sind Frauen. So ist es in unseren Köpfen eingebrannt und wenn ich mir ansehe, wie das Verhältnis zwischen Männlein und Weiblein hier bei den Lumnettas verteilt ist (9:1), dann stimmt das wohl. Aber wie heißen dann die zehn Prozent, die das schöne Bild der Einstimmigkeit zerstören? Hexer, Hexenmeister, Magier…..?

Hexer klingt irgendwie nach Edgar Wallace schlechten Filmen und zweitklassigen Fantasyromanen. Aber auch der Begriff des Hexenmeisters versetzt die Synapsen meines Hirns in den Standby-Modus. Ein Meister steht über Anderen. Hexenmeister klingt nach Macht (über Hexen -> Frauen (?)).

Nee, das ist es auch nicht…….

Und Magier? Hört sich eher nach Zirkus an. (Kommen Sie zu Zirkus Krone und sehen Sie den berühmten Magier Tugomir mit seinen singenden Zauberstäben….)

Als männliches Wesen UND Hexe bin ich eine Minderheit in unserer Gesellschaft. Das ist in der Tat eine ungewohnte Erfahrung. Aber warum gibt es so wenig männliche Hexen? Liegt es an den materialistischen Themen dieser spirituellen Richtung? Brauchen Männer eher etwas „handfestes“? Schreckt uns ein „Tu was du willst, solange du niemandem schadest“ ab?
Es gibt doch genug Männer, die die Natur lieben. Sehen die denn nicht das Göttliche, dass dem innewohnt? Oder trauen sich viele nicht, das zu leben, was sie fühlen? Sind Männer wirklich so abgestumpft und durch unsere Gesellschaft zu einem mehr oder weniger sterilen Verhalten konditioniert worden?

Ich habe mich bisher in der Öffentlichkeit noch nie als Hexe bezeichnet, maximal als Anhänger des Hexentums. Auch das hat schon zum Schmunzeln meines Gegenübers geführt bis hin zu gutmütigem Spott….. Ich mag mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, wie die Reaktion ausfällt, wenn ich erzähle, dass ich mich Hexe nenne.

Sollte mir ja eigentlich egal sein, aaaaaber…….. Nein, ist es nicht. Ich möchte nicht belächelt werden für das was ich fühle. Ich möchte aus meiner Liebe und Verehrung der Mondin kein Geheimnis machen. Die halbe Welt verehrt ein Holzpüppchen, das man an ein Kreuz genagelt hat und da lacht doch auch niemand. Und wenn Tausende von Gläubigen um die Statue eines fetten Mannes mit Glatze rennen und dabei Räucherstäbchen verbrennen bis die Feinstaubbelastung in der klaren Bergluft Tibets bedenkliche Werte erreicht, ist das durchaus gesellschaftlich akzeptiert und wird als kulturelles Erbe einer unterdrückten Nation gesehen. Aber eine männliche Hexe? – Was ist das denn für ein Spinner?

Ich wünsche mir für uns alle einen offenen und toleranten Umgang mit Andersdenkenden. Jeder Mensch hat seine eigene Wahrheit. Lasst uns bunt sein.

Tugomir
Tugomir
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1 comment on Aus dem Besenschrank kommen – Outing als Hexe: Tugomir

  1. Hallo Tugomir,

    wieder einmal hast Du einen wunderschönen Text geschrieben, danke dafür!

    Ich musste schon beim Titel schmunzeln. So schwer das „aus dem Besenschrank kommen“ im Alltag auch sein mag: die Bezeichnung gefällt mir.

    Die Frage, warum es (leider) so wenige männliche Hexen gibt, ist tatsächlich interessant. Es scheint ja auch anders zu gehen – ohne Äpfel mit Birnen vergleichen zu wollen, waren/sind die Schamanen bei der indigenen Bevölkerung in Nordamerika nicht auch meist (immer?) Männer? In anderen Kulturkreisen scheint es also eine ganz andere Wahrnehmung von Menschen zu geben, die sich mit der Natur beschäftigen.

    Vielleicht – und hoffentlich ändert sich das ja so langsam – liegt es auch noch an alten Vorstellungen der geschlechtstypischen Rollen, die noch in unseren Köpfen „herumspuken“?

    Deinem Wunsch für mehr Offenheit, Toleranz und Farbe 😉 schließe ich mich aus ganzem Herzen an.

    Noch einmal lieben Dank,
    Hadassah

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