Aus dem Besenschrank kommen – Outing als Hexe: Lona

Ich finde es immer wieder lustig, wenn man sich Gedanken darüber machen muss, ob man seine Neigungen, seine Lebenseinstellung „outen“ bzw. sich diesbezüglich anderen gegenüber erklären muss. 😉 Daher habe ich mich nie als Hexe „geoutet“, da ich es nicht für nötig halte, mir einen solchen „Titel“ zu geben oder anderen gegenüber erklären muss, wieso ich manchmal mitunter mit Pflanzen und anderen Lebewesen rede oder Rituale durchführe. Ich folge dem alten, natürlichen Pfad schon seit vielen Jahren (er hat mich auch zum Schamanentum, Buddhismus und vielen weiteren kulturellen Welten gebracht). Aber das musste ich auch erst lernen, dass unsere Welt nicht nur aus Technik, Fortschritt und Ego besteht, sondern eine weit tiefere (Bewusst-)Seins-Ebene hat, die die meisten von uns verlernt haben, zu erkennen und zu hören.

Ich war jahrelang im sturen rationalen Glauben unterwegs, dass alles mit Wissenschaft und Logik erklärbar sei und alles andere nicht existiert, da es weder sicht-, tast- noch beweisbar ist. Dadurch habe ich meine feinen Antennen für das Übersinnliche abgeschottet, sie tief in mir drin vergraben und bei jeder leisen Regung sofort mittels eines wissenschaftlichen Berichtes zu erklären versucht. Denn die unbändige Natur war mir irgendwie suspekt. Irgendwann aber habe ich erkannt (nach vielen, vielen Erfahrungen), dass es doch mehr auf dieser Welt gibt, als es uns die Technik, der Logos und die Akademiker weismachen wollen. Es hat aber eine sehr lange Zeit gebraucht (und noch immer bin ich eher jemand, der zuerst mit dem Kopf versucht, etwas zu verstehen, als auf meine Intuition zu hören. Das ist ja per se nicht schlecht, ich finde es gut, dass ich oft zuerst über die Dinge nachdenke, anstatt ihnen blind und treudoof zu folgen, nur weil irgend eine bekannte Persönlichkeit gesagt hat, dass die Dinge so und so sind), bis ich so weit war zu erkennen, dass die Welt nicht nur aus 1 und 0 besteht, sondern auch aus Geist und Energie, die wir nicht messen können, die aber existieren, ob wir das möchten oder nicht.

 

Ich würde mich jetzt nicht direkt als Hexe bezeichnen, da dieser Begriff in mir immer noch einen negativen Nachgeschmack auslöst. Grimm-Brüdern sei Dank und ihren gesammelten Märchen von bösen Frauen, die nur Schaden anrichten wollen und alleine im Wald leben mit ihren Tieren (wow, also so würde ich echt auch mal gerne leben, in einer Waldhütte von Tieren umgeben :-)). Ich würde mich eher als eine Zaunreiterin bezeichnen. Als jemand, die zwischen den Welten lebt, auf beide Seiten blicken kann, die sich mit der natürlichen Heilkunde auskennt, mit den Geistern und anderen Wesen Kontakt aufnehmen kann und die die Energie der Natur zur Hilfe nimmt, wenn sie ein Ritual oder eine Art „Puja“ machen möchte. Und nein, es ist kein Hobby von mir (das wird mir oft unterstellt). Es ist meine Lebenseinstellung, wie ich die Welt sehe und wie ich sie wahrnehme. Aufgrund der bislang gemachten Erfahrungen weiss ich, dass Magie existiert. Es mag zwar klingen, als ob das alles mein ganzes Leben in Beschlag nimmt. Nein, auch ich habe einen ganz normalen Job, gehe unter ganz normale Leute, rede ganz normales Zeug und trage ganz normale Klamotten und lebe wie ein ganz normaler Mensch. Das alles jedoch mit dem Unterschied, dass ich auch um eine andere Wirklichkeit Bescheid weiß und sie auch fühle. Eben auf dem Zaun reite und beide Seiten sehe. 😉

Ich hatte früher oft Probleme damit, dass andere Leute nicht sahen, dass die Natur nicht nur Futter und Erholungsgebiet für uns ist, sondern auch eine eigene Seele besitzt. Ich wurde regelrecht wütend, weil ich immer das Gefühl hatte, ich müsse ihnen zeigen, dass es nicht nur Rationalität und Ego gibt, sondern so viel mehr, was wir aber als Kinder leider verlernt haben, da unsere Eltern auch keine Naturmenschen waren, sondern ganz normale Leute mit dem ganz normalen Glauben an den Fortschritt, was ja einigermaßen gesund ist, aber eben nur in Maßen. Mit der Zeit aber habe ich gelernt, dass jeder seinen eigenen Zugang zur Seele des Universums hat und ich nicht der „Erlöser“ aller bin (jaja, mein Ego war und ist noch immer sehr dominant).

 

Ich habe nun mal andere Ansichten von gewissen Dingen. Und wenn ich darauf angesprochen werde, wieso ich z. B. eine Pflanze am Wegesrand grüße, dann sage ich es frei heraus. Klar, ich werde mehr als oft schräg angeschaut und die Leute sagen dann nichts und lassen mich einfach stehen. Das musste ich auch noch lernen, dass halt doch sehr viele nicht verstehen, was ich jetzt erst erkannt habe. Und dass es auch ok ist, wenn es die anderen nicht verstehen. Jeder hat seinen eigenen Lebensweg und meiner ist der einer Zaunreiterin, die erst jetzt, so ganz langsam, anfängt zu erkennen, dass wir alle eins sind und eins alles ist. Eine Ewigkeit, die mein Verstand noch immer nicht rational erklären kann. 😉

 

 

Lona
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