Die Brennnessel

Die hier dargestellten Inhalte dienen ausschließlich der neutralen Information und allgemeinen Weiterbildung. Sie stellen keine Empfehlung oder Bewerbung der beschriebenen oder erwähnten diagnostischen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Der Text erhebt weder einen Anspruch auf Vollständigkeit noch kann die Aktualität, Richtigkeit und Ausgewogenheit der dargebotenen Information garantiert werden. Der Text ersetzt keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt oder Apotheker und er darf nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten verwendet werden. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer den Arzt Ihres Vertrauens!

Lateinischer Name: Urtica dioica

Volksname: Haarnessel, Scharfnessel, Krauskopf

Erntemonat: März – Dezember

verwendbare Pflanzenteile: Blätter, Samen, Triebe und Wurzeln

Fundorte: nährstoffreiche Standorte, Gärten, Wegränder, Böschungen

Verwechslungsgefahr: Mit der Taubnessel (siehe Foto) und der nesselblättrigen Glockenblume (beide nicht giftig, mit auffälligen Blüten und ohne Brennhaare)

Im Monat April beschäftige ich mich gerne mit der Brennnessel.

Der Begriff Nessel ist sehr alt und wurde in mehreren germanischen Sprachen nachgewiesen. Wahrscheinlich besteht ein Zusammenhang mit dem Wort „Netz“, da die Menschen schon früh aus den Nesseln einen feinen Stoff herstellten.

Und auch die Heilwirkung der Pflanze war bereits in der Antike bekannt. Der römische Gelehrte Plinius empfahl, die jungen Brennnesselblätter als Gemüse zu essen. Sie wurden bei Lungenentzündungen und Geschwüren eingesetzt. Und auch heute weiß man die Wirkung der Brennnessel zu schätzen und setzt sie bei vielen Erkrankungen ein. Zum Beispiel peitscht man Gicht- und Rheumageplagte mit Brennnesselruten aus. Durch die durchblutungsfördernde Wirkung soll dies den Schmerz lindern. Das über mehrere Stunden anhaltende Wärmegefühl kann auch bei Ischiasbeschwerden helfen.

Außerdem wirkt die Brennnessel wassertreibend, schleimlösend und fördert die Gallensektretion.

Nun aber zu meiner Arbeit mit der Brennnessel:

Ich nutze täglich Brennnesselsamen, indem ich sie über mein Frühstück oder den Salat streue. Auf die Verwendung der Samen bin ich durch meine Haarprobleme aufmerksam geworden. Aufgrund der vielen Mikronährstoffe, die sich darin verstecken, helfen sie bei Haarausfall, stumpfem und glanzlosem Haar. Sie stärken außerdem das Gedächtnis und die Sehkraft. Die Samen gibt es auch im Bioladen zu kaufen, man kann sie aber auch ganz einfach im Frühling selbst sammeln. Dazu nehme ich die Samen der weiblichen Pflanzen. Sie werden auf einem großen Sieb getrocknet, das vorher mit Küchenrolle ausgelegt wurde. Sind die Samen getrocknet, kann man einfach die Küchenrolle wegnehmen und die Samen durch das Sieb rubbeln. Am Besten in Gläsern aufbewahren und 2 EL am Tag über sein Essen streuen.

Erkennen könnt ihr die weiblichen Pflanzen daran, dass sie stolz aufgerichtet stehen mit dicken, dicht nach unten hängenden Samenständen. Die männlichen sehen manchmal etwas traurig aus. Ihre Samenstände sind heller, nach den Seiten abstehend und bei Berührung fallen kleine Samen ab. Männliche und weibliche Pflanzen stehen nie zusammen- also nie durcheinander, aber auch nicht weit voneinander entfernt, denn sie brauchen sich ja zur Bestäubung.

Brennnesseltee trinke ich recht oft, vor allem im Sommer, da meine Beine oft Wasser einlagern, wenn es sehr warm ist. Die Brennnessel hilft, es auszuscheiden. Als Frühjahrskur eignet er sich aber auch sehr gut, da der Tee die Giftstoffe aus dem Körper transportiert, die sich im Laufe des Winters angesammelt haben. Pfarrer Sebastian Kneipp, ein bekannter Vertreter der Wassertherapie, schätzte die Brennnessel sehr. „Wer unreines Blut hat, soll zur Frühlings- und Sommerzeit Brennnesseln wie Spinat essen.“

Durch ihre wassertreibende Wirkung ist die Brennnessel auch bei Harnwegsinfekten sinnvoll einzusetzen. Hierbei ist es wichtig, auf reichlich Wasserzufuhr zu achten.

Ihr hoher Kaliumgehalt sorgt für einen basischen und verdünnten Urin. Die Harnausscheidung wird gesteigert und so verweilen die Bakterien kürzer im Körper.

Brennnesseltinkur

Zur Herstellung einer Tinktur kann man die gesamte Pflanze verwenden. Ich mache es so: die Pflanzen an einem sonnigen Tag ernten. Man kann getrocknete oder frische Brennnesseln nutzen. Möchte man die Pflanze zuerst trocknen, bindet man sie am Besten zu kleinen Sträußen und hängt sie an einem schattigen Ort auf. Wenn das Kraut vollständig getrocknet ist, kann man es zerkleinern und in Gläsern mit Deckel aufbewahren.

Für die Tinktur nehme ich: 4-5 EL Brennnesselkraut

200 ml Alkohol (ich nehme 40% Wodka, Doppelkorn geht auch)

großes Schraubglas

Geschirrtuch und Küchenfilter zum abseihen

eine Flasche

Die Brennnessel in das Glas geben und mit Alkohol auffüllen. Alle Pflanzenteile müssen vollständig bedeckt sein. Vor Sonnenlicht geschützt aufbewahren. Ab und zu schüttele ich das Glas leicht. Das beugt Schimmelbildung vor und die Pflanzenwirkstoffe lösen sich leichter.

Nach 4 Wochen die Flüssigkeit durch das Geschirrtuch abseihen- am Besten mit Hilfe des Trichters.

Bei Aufbewahrung in einer braunen Flasche ist die Tinktur etwas ein Jahr haltbar.

Die Anwendung: äußerlich bei Haarausfall, fettiger Kopfhaut und Schuppen. Dazu verdünnt man die Tinktur 1:1 mit Wasser und gibt davon einige Tropfen auf die Kopfhaut und massiert sie ein. Am Besten nach der Haarwäsche.

Die Haarwurzel wird gestärkt und die Durchblutung angeregt. Die Tinktur wirkt entzündungshemmend und reinigend.

Bei unreiner Haut kann man die betroffenen Stellen mit der Tinktur betupfen.

Innerliche Anwendung: bei Frühjahrsmüdigkeit, Appetitlosigkeit, Prostatabeschwerden, Schuppen und Haarausfall. Dazu nimmt man 3 x 20 Tropfen pur oder mit Wasser verdünnt. Nicht für Kinder, Lebergeschädigte oder Alkoholkranke geeignet.

Magische Verwendung: Im Mittelalter wurde die Brennnessel zum Schutz gegen alles mögliche genutzt, z. B. Blitz, Hagel, Hexen, Dämonen. Jeder Landbewohner hatte Angst vor dem Stallzauber. Nach ihrer Überzeugung machten böse Geister und Hexen mit ihrem Zauber die Tiere krank, ließen sie verenden oder nahmen den Kühe die Milch. Besonders gefährdet war das Vieh in der Sonnenwendnacht. Deshalb räucherten die Bauern in dieser Nacht den Stall mit Brennnesseln aus. Sie brachten zusätzlich weitere Brennnesseln in den Stall, um die bösen Geister zu verjagen. Sie legten die Pflanzen unter die Tiere, den Milchschemel, befestigten sie an Türen und Fenstern und gaben sie dem Vieh zu fressen.

Die Brennnessel ist dem Planeten Jupiter zugeordnet und den Göttinnen Aphrodite, Demeter und Cerridwen geweiht.

Man sagt, das Räuchern von Brennnesselsamen heize das Feuer der Liebe an. Auch für Amulettbeutelchen in Liebesangelegenheiten ist die Pflanze geeignet. ♥

Quellen und weiterführende Links:

Bücher:

  • Magister Botanicus: magisches Kreutherkompendium
Beitrag von Ronya
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4 thoughts on “Die Brennnessel

  • Das ist ja eine super Idee mit den Frischpflanzungen! Vielen Dank für deinen Kommentar. Das werd ich auf jeden Fall ausprobieren.

  • Liebe Ronya, das ist ein toller, ausführlicher und super informativer Bericht! Danke, für deine Mühe!!!
    Einen kleinen Tipp kann ich vielleicht noch beitragen: die Brennnessel eignet sich auch ganz hervorragend als Starthilfe für Frischpflanzungen. Ich gebe sie frisch geerntet und etwas zerkleinert ins Pflanzloch und setze die Pflanze dann direkt darauf.
    Funktioniert wunderbar bei Gemüsepflanzen und Obstgehölzen. Ich selbst mache es alljährlich so, wenn ich meine gezogenen Tomaten umsetzen, oder wenn ich Beerensträucher oder Obstbäume setze…..

  • Toller Bericht aber ich möchte noch anmerken das man aus Brennnessel auch einen Sud herstellen kann für Garten und Zimmerpflanzen.
    Einen 10 liter Eimer etwa zur hälfte mit Brennesellblätter füllen und anschliesend mit heißen oder kalten Wasser auffüllen. 1-2 Wochen stehen lassen.
    Pflanzen giesen oder besprühen.

    Wirkung: als Dünger kräftig es die pflanzen und macht sie resistententer gegen ungeziefer. Das besprühen der Blätter unserer Pflanzen hilft gegen Parasiten.
    Vorteil: unschädlich für die Umwelt und anderen Insekten wie Bienen und kann auch bei essbaren Pflanzen angewendet werdet.
    Nachteil: es kann zu starken Geruch kommen. Das ernten der Brennnesselblätter kann zu Ausschlag und juckreiz führen. Anwendung gegen Parasiten mus häufiger und regelmäßiger Erfolgen als bei den Handelsüblichen produckten.

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