Rider-Waite-Tarot: III, Die Herrscherin

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1. Beschreibung der Karte:

Eine verführerische junge Frau in einem weit fallenden, geblümten Kleid sitzt entspannt inmitten einer fruchtbaren Landschaft. Sie wirkt, als warte sie gerade auf jemanden und sitzt dabei anmutig auf einem Berg von Kissen, eines davon trägt das Venus-Symbol. Im Hintergrund sieht man einen Laubwald, aus dem ein Bach entspringt, der neben der Herrscherin einem kleinen Wasserfall in den Vordergrund fließt.
Die Herrscherin sitzt inmitten einer glatten Fläche zwischen Wald im Hintergrund und einem Getreidefeld im Vordergrund, in dem man die reifen Ähren erkennen kann. Sie hat halblanges, leicht gewelltes blondes Haar. Auf ihrem Kopf trägt sie einen Lorbeerkranz und eine Sternenkrone mit zwölf Sternen darauf. Ihr linker Arm ist nach oben abgewinkelt und hält ein Zepter. Unter dem Kissenthron der Herrscherin steht eine Art herzförmiger Stein mit dem astrologischen Symbol des Planeten Venus darauf.

2. Deutung der Farben:

  • Gelb (Hintergrund, Zepter, Borte am Kragen, Kissenmuster): Hier die dominierende Farbe. Vitalität, Offenheit, Kommunikation, Lebensfreude, Eitelkeit, aber auch Neid und Oberflächlichkeit
  • Gold (Getreideähren, Haare): Reichtum, Edelmut, das Höchste/Schönste/Beste; Prunk, edles Geschenk
  • Grau (Boden, Herzstein): Ernsthaftigkeit, Strenge, Zurückhaltung, Ablehnung, Geiz
  • Grün (Wald, Laub der Bäume, Lorbeerkranz, Venuszeichen): Natürlichkeit, Fruchtbarkeit, Ehre, Wachstum
  • Weiß (Gewand, Sternenkrone): Reinheit, die ultimative Farbe, die alles ermöglicht; die weiße Leinwand, Erhabenheit, tiefes Wissen, Spiritualität
  • Orange (großes Kissen): Lebensenergie, Geselligkeit, Wärme
  • Rot (Kissen, Decke, Blumen auf Kleid, Schuhspitzen): Liebe, Lust, Leidenschaft, Energie, Aggression

3. Deutung der Symbole:

  • Laubbäume: Wachstum, Entwicklung, Veränderung in den Jahreszeiten = Veränderung der Frau in den Lebenszeiten, Hoffnung
  • Bach/Wasserfall: Quelle des Lebens, Inspiration, Gefühle, Fruchtbarkeit, Weiblichkeit, sprudelndes Leben, Lebendigkeit, Überfluss
  • Getreideähren/Getreidefeld: Fülle, Reichtum, Ernte, Nahrung, Sattheit
  • Kissen: Laszivität, Geborgenheit, Entspannung, Gemütlichkeit, Sicherheit
  • Venussymbol: DAS Zeichen für Weiblichkeit schlechthin und auch das der Liebesgöttin Venus; Anmut, Schönheit, Wärme, Zuneigung, Sexualität, Genuss
  • Zepter: symbolisiert Herrschaft, Macht, Überlegenheit und denjenigen, der das Sagen hat. Das Zepter hat ein rundes Ende = feminine Ausführung. Damit lenkt die Herrscherin symbolisch ihre Energie und gibt Anweisungen.
  • Offene Haare: Offenheit, zur Schau gestellte Attraktivität, Selbstbewusstsein, gefallen wollen, Eitelkeit. Wenn man die Philosophie vertritt, dass die Haare die Antennen der Seele sind, dann ist die Herrscherin auf Empfang eingestellt – sie ist bereit, Gesellschaft zu empfangen und sich die Anliegen ihrer Besucher anzuhören. Auch: Handlungsbereitschaft, Tatkraft.
  • Lorbeerkranz: Zeichen des Sieges, Ehrenzeichen, Ehrfurchtssymbol, Machtsymbol. Die Griechen schmückten z. B. die Sieger der Olympischen Spiele mit einem Lorbeerkranz, aber auch Herrscher wurden in alten Gemälden oft mit so einem Kranz anstelle ihrer Krone dargestellt.
  • Sternenkrone: Die Sternengöttin (Figur aus dem Göttinnenglauben), Herrscherin über den Himmel (Stern = Idol), Aufstreben, Entwicklungsantrieb, Unerreichbares als Motivation, jederzeit das Beste zu geben. Die höchste Entwicklungsstufe.
  • Fließendes Gewand: Sanftheit, Sinnlichkeit, Gelassenheit, Empfänglichkeit, Weichheit, Femininität
  • Blumenmuster: Feminine Blüte, Sinnlichkeit, Schönheit
  • Herzförmiger Stein: Liebe; negativ: Liebe wird zur Last, gefangen in der Ehe/Beziehung; aber auch: Liebe ist die Grundlage bzw. der Grundstein eines jeden Dings und Handelns.
  • Glatte Bodenfläche: Realitätssinn, Pragmatismus, Schaffenskraft, solider Boden

4. Deutung der Karte:

Die Herrscherin verheißt Fruchtbarkeit, Genuss und Auskosten der schönen Seiten des Lebens. Ihr Erscheinen deutet auf fruchtbare Entwicklungen, Ruhm und Einfluss hin.
Es ist eine sehr weibliche Karte, die offen mit Symbolen der Weiblichkeit spielt. Hier ist es aber die warme, offene, sinnlich-aktive Weiblichkeit des mütterlichen Aspekts, nicht die dunkle, nach innen gerichtete Weiblichkeit der Hohepriesterin. Die Laubbäume, die im Jahreslauf einen Blattwechsel durchlaufen und so ein Symbol für Veränderung sind sowie die Sternenkrone mit 12 Sternen (für jede Jahreszeit einen) könnten ein Symbol für Veränderung sein oder auch die natürlichen Veränderungen der Frau während ihrer Lebensalter andeuten.
Vielleicht deutet die Herrscherin auch das Bevorstehen von romantischen Zeiten an oder das Entdecken der eigenen Sinnlichkeit und Sexualität, wenn man das Venus-Symbol und den Herzstein mit einbezieht. Sie wirkt, als warte sie gerade auf jemanden. Die Herrscherin ist ein Aufruf zur Selbstfürsorge, um sich selbst als Königin zu behandeln und auf diese Weise aktiv seine Umwelt zu gestalten: Wie innen, so außen. Verändere ich mich, passt sich meine Umwelt an und verändert sich mit mir.
Andererseits deutet die Herrscherin als Karte auch darauf hin, dass man Gutes mit anderen teilen sollte – der Fluss, der im Wald im Hintergrund der Karte entspringt, läuft als Wasserfall nach vorne, wo er das Getreidefeld wässert und so für eine reiche Ernte sorgt. Das Teilen bezieht sich nicht unbedingt auf materielle Dinge, eher Fähigkeiten, die einem innewohnen und die man zum Wohle der Gesellschaft einsetzen kann. Die Herrscherin verkörpert somit einen nährenden Aspekt.
Symbolisch steht der Fluss vielleicht für unsere Energie, die im Dunkel des Waldes (in uns) entspringt und ans Tageslicht gebracht werden muss, um dort mit unseren Taten oder Ratschlägen inspirierend für viele andere zu wirken und nach einiger Zeit dann für eine Entwicklung innerhalb einer Gruppe hervorbringen wird.

5. Deutung der Schattenseite

Genusssucht, Eitelkeit, (weibliche) Dominanz, Unfruchtbarkeit, Fehlernte, Oberflächlichkeit, falsche Prioritäten, Verderben, verschwendete Energie

6. Fazit zur Karte

  • Die Herrscherin ruft mich dazu auf, mir meiner weiblichen Schaffenskraft bewusst zu werden.
  • Sie sagt: „Genieße das Leben! Behandle dich selbst wie eine Königin. Du darfst dich gut und sinnlich fühlen.“ Ihre Botschaft ist vor allem aber: „Du selbst solltest die wichtigste Person in deinem Leben sein. Behandle dich gut und umgib dich mit Dingen, die dich gut fühlen lassen, und dein Leben wird fruchtbar werden und gedeihen.“
  • Sie bedeutet mir aber auch, Dinge zu teilen, damit sie für die Gemeinschaft eingesetzt werden können und ich so meinen Teil zur Erhaltung und Formung der Gesellschaft beitrage. Andere nähren und versorgen.
  • Geteilte Freude ist doppelte Freude! „Sei gerecht und teile, was in dir wohnt. Gib der Gesellschaft von deinen nährenden Fähigkeiten ab und du wirst die Ernte deiner Bemühungen in der Welt erkennen können.“
Anmara
Beitrag von Anmara
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