Dunkelromantische Klänge zur kalten Jahreszeit – Angelic Foe

Vor gut zwei Jahren schenkte mir ein ehemaliger Arbeitskollege eine selbst zusammengestellte Compilation mit düsterer Musik. Der Titel, den er als Opener ausgewählt hatte, war das Lied „The Get“ der schwedischen Band Angelic Foe. Auf ihrer Website beschreiben sie sich selbst als „dunkles neoklassisches Musikprojekt“, das nunmehr im Februar 2019 bereits ihr drittes Album „An Evil of Nature“ veröffentlicht habt. Treibende Kraft ist Sängerin, Songwriterin und Concept Artist Annmari Thim, die bereits von 2001-2014 in der Band Arcana gesungen hat. Neu hinzugekommen seit „An Evil of Nature“ als festes Mitglied ist Fredrik Hermansson, der nicht nur Keyboard-Player bei Pain of Salvation von 1996- 2011 war, sondern auch klassischer Komponist ist und einen Master in Kammermusik sein Eigen nennen kann. Auf den anderen Alben kommen Gastmusiker wie Gitarrist Cristian Ellingsen und Percussionist Mattias Borgh zum Einsatz (Opressed by the Heavens) sowie Video Game Sound Designer Samuel Lidström bei „Mother of Abominations“.

Ihr erstes Album „Opressed by the Heavens“ (erschienen 2012) beschäftigt sich mit jüdischer Mystik, aber auch der Nachfolger „Mother of Abominations“, von welchem auch das Lied „The Get“ stammt und ganz klar einer meiner Favoriten ist, hat klare Tendenzen zu jüdischen Mythen und Dämonen. Aber auch „Daughter of Comfort“, das erste Lied des Albums, wirkt verzaubernd mit seinen soundtrackähnlichen, düsteren Klangmustern. Annmari schafft es mit leiser Stimme, die Hörer sofort in ihren Bann zu schlagen. Ihre Stimme hebt sich kaum und wirkt so sehr bedrohlich, was sich teilweise auch in den Texten widerspiegelt. Lediglich ein paar opernhafte Zwischentöne werden wie ein kleiner Refrain eingestreut. Erst beim zweiten Lied „The Get“ wird deutlich, was für eine Stimmgewalt der Sängerin innewohnt. „Mother of Abominations“ ist definitiv mein Lieblingsalbum der Band, da es eher ruhige und düstere Klänge anstimmt, welche, wie ich finde, gerade in die dunkle Jahreszeit perfekt passen. Vor meinem inneren Auge breiten sich endlos weite Wald- und Berglandschaften aus, immer im trügerischen Zwielicht gehalten oder kurz nach Einbruch der Dunkelheit, wenn nur noch ein schmaler Streifen schwindenden Sonnenlichts am Horizont gerade so zu erkennen ist. Wer also kein Problem mit einer guten Sopranstimme und opernhaften Elementen hat und sich auf die Lyrics einlassen möchte (die jetzt neuerdings zu allen Alben auf der Website der Band zu finden sind), ist mit diesem Album als Einstieg sehr gut beraten.

Das neu erschienene Album „An Evil of Nature“ schlägt hingegen schon etwas bombastischere Töne an, auch die Gesangsparts wirken kraftvoller und dramatischer, was aber auch dazu führt, dass empfindlichere Ohren hier möglicherweise etwas zurückschrecken, vor allem, wenn man Opernstimmen nicht unbedingt gewöhnt ist. Wer allerdings mit z. B. Female Fronted Metal wie Nightwish, Epica, Amberian Dawn oder Sirenia vertraut ist, dürfte hier nicht einmal mit der Wimper zucken. Hinzu kommen noch mehr Soundtrack-Passagen für mehr Dramatik, dafür aber in meinen Ohren weniger das gotisch-düstere Feeling, wie noch beim Vorgänger. Meine Lieblingslieder sind hier „Spirits of Deceit“, „Visions of the Four Beasts“, „Ghostly Paramour“, „Origin of all Sin“ und die schöne Schlussballade „The Seventh Seal“.

Auf ihrer Homepage haben Angelic Foe bereits die Arbeit an ihrem vierten Album angedroht, welches uns auf noch dunkleren Pfaden in mysteriöse Reiche entführen soll und ich bin sehr gespannt wo die Reise hingeht, da Mother of Abominations für mich momentan kaum zu übertreffen ist. Doch lassen wir uns überraschen, was die Ausnahmetalente dieser Gruppe so alles aus ihren wehenden Umhängen zaubern.

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Quelle:

http://www.angelicfoe.com/ (Homepage der Band mit News, Releases und Lyrics zu allen veröffentlichten Alben)

Bilder: http://www.angelicfoe.com (mit freundlicher Genehmigung der Band); Fotografin: Cecilia Bjärgö

Sunrayravyn
Beitrag von Sunrayravyn
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